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Artikel

Micha
Jahresrückblick 2023 ZweiVonZwei

Wenn du glaubst, dass mit den Leica Store Nürnberg Erlebnistagen das Jahreshighlight schon gesetzt ist, irrst du gewaltig!

August

Sebastian und ich hatten das schon länger vor, aber es hat etwas gedauert, bis wir uns dann doch endlich mal im Fürther Traditionsbrauhaus „Humbser & Freunde“ einfanden.

„Micha, ich hab dir da was mitgebracht“. Noch bevor ich mich versah, lag ein Noctilux 50mm f/1.0 vor mir. Ich war total perplex und wusste erst einmal gar nicht was ich damit anfangen soll.

Wer mich kennt weiß, dass 50mm so gar nicht mein Ding sind. Auch Sebastian weiß das und trotzdem bringt er mir trotzdem ein 50er mit. „Micha, mir geht’s da genauso. Fuffzig sind nicht meine Brennweite, aber das Nocti… probier es mal aus…“.

Der Laden war schon fast menschenleer. Außer uns waren noch drei andere Gäste im Brauhaus. „Jetzt mach mal das Nocti drauf und ich zeig dir das Humbser“ sagte Sebastian. Ein kleiner Streifzug durch die wundervoll renovierten Hallen des Sudhauses und der Gasträume. Fast wieder an unserem Platz angekommen drehte sich einer der Herren aus der Dreiergruppe zu uns und verwickelte uns mit den Worten „schon schön hier, oder?“ ein Gespräch.

Es stellte sich heraus, dass es sich hierbei um Philipp Streng handelte. Philipp war maßgeblich daran beteiligt, dass das heutige Sudhaus der Humbser Brauerei, also die Räumlichkeiten, in welchen wir uns just in diesem Moment befanden, überhaupt noch existiert. Er führte aus wieviel Energie, Mühe und Herz in der Renovierung steckt und wie intensiv es war diese Aufgabe zu meistern.  Es war wirklich ein wunderbarer Moment an diesem sowieso schon so schönen Abend.

Als Andenken schenkte uns Philip das Buch „Die Malzböden“. Es dokumentiert eindrucksvoll, sowohl in Schrift-, als auch in Bildform die Wiederbelebung der Brauerei. Auf Der ersten Seite befindet sich seit diesem Abend folgende Widmung, festgehalten von Philipps Freund und Kollegen Wolfgang:

Fürth, 08.08.2023

Eine schöne, spontane Begegnung, heute im Sudhaus Humbser mit tollen Menschen und wertvollen Gesprächen.

Tradition verbindet Leica und Humbser.

Philipp, Wolfgang und Sebastian, Micha

Ein paar Tage später habe ich das Noctilux dann auch noch auf das Brückenfestival in Nürnberg entführt. Die Resultate in Bildform findest du in diesem Journal Eintrag.

September

Wenn wir schon bei Objektiven sind, muss ich auch gleich mal das Summilux „Steel Rim“ erwähnen. Das gute Stück kam mir im September in die Finger. Dieses Objektiv ist ein wenig wie Helge Schneider. Entweder man liebt es, oder man hasst es. Beim geringsten Lichteinfall von der Seite, passieren ganz verrückte Dinge im Bild. Lilafarbene Reflektionen, Farbstiche, magische Unschärfe. Gegenlicht resultiert in sofortigen Lensflares und soll ich dir was sagen? Ich finds geil! Ich habe die Linse fast ausschließlich ohne Gegenlichtblende verwendet, weil ich es einfach großartig finde, was mit den Bildern passiert. Ja, manchmal ist es unberechenbar, aber das macht es zu einer kleinen Schatzkiste, für Tage, die etwas abenteuerlicher sein dürfen. Offenblendig verwendet hat man gnadenlos viel Blooming. Abgeblendet erreicht man eine schöne Schärfe, die jedoch nicht so brutal wie die heutiger Objektive ist. Der Formfaktor ist dabei schnuckelig handlich. Das Steel Rim ist definitiv auf meiner Wunschliste gelandet.

Im Sommer habe ich das Objektiv wohlgemerkt auf der Leica M11 getestet, im November hatte ich das Objektiv nochmal auf einer Monochrom dabei. Ich muss zugeben, dass ich beides absolut erstrebenswert finde!

Dann war ich noch von Mister „das etwas andere Portrait“ Robin Disselkamp eingeladen seinen Workshop zu besuchen. Eigentlich war das anders geplant. ich wollte mal eben dazu kommen, hallo sagen, und am Workshop Tag mit Tom Stoeven, um die Häuser ziehen. Tom Stoeven fragst du dich jetzt?

Tom kannte ich bis zu diesem Zeitpunkt nur über Instagram. Damals, beim ersten Workshop von Robin hat sich herausgestellt, das Robin Tom kennt, persönlich! 

Nachdem sich abgezeichnet hat, dass sowohl Tom, Robin, als auch ich mit der gleichen, nennen wir es, kindlichen Energie gesegnet sind war klar, dass Tom mit nach Nürnberg kommen muss. Es hat etwas Desaströses, wenn sich unsere Energien kreuzen und gleichzeitig entsteht dabei eine Form von Humor, die ihresgleichen sucht. Fast vergleichbar mit den damaligen Monty Python Filmen. So als würde man seinen nackten Hintern aus dem Autofenster strecken, aber hinten drauf steht in perfekter Handschrift ein Zitat von Goethe.

Der Tag brachte aber noch einen weiteren, ganz wunderbaren Menschen mit sich. Laura. Das Modell. Eine bildhübsche, in sich ruhende Frau, die der Situation beiwohnt, nur um dem Workshop dann ihre ganz eigene, besondere Note zu verleihen. Man spürt, dass sie ganz genau weiß, was sie da macht und wie sie es machen muss. Ab vom Fotogeschehen ist sie immer nahbar und ein fantastischer Gesprächspartner. Kein Small Talk – Deep Talk! Wow! Danke, dass ich dich kennenlernen durfte, Laura!  

Wir werden uns wieder sehen, ganz sicher! Ich freue mich jetzt schon auf die Gespräche und Bilder die dabei entstehen! Du bist ein toller Mensch!

Oktober

Seit einem halben Monat habe ich einen neuen Job. Meiner Frau Bine habe ich versprochen, dass ich sie von meinem ersten „neuen“ Gehalt ausführe. Eigentlich war es etwas anders geplant, echt jetzt!

Anstatt einem Abendessen im Sterne-Restaurant sind wir dann kurzerhand nach Wetzlar gefahren. Hey, ich meine „Ausführen“ kann ja vieles bedeuten?!

So wurde es eine Reise in den Leitz Park nach Wetzlar.

Unsere „Gastgeber“ für diesen Tag waren mein geliebter Freund Sebastian und seine wunderbare Partnerin Verena. Der Tag startete mit einem gemeinsamen Frühstück und wurde mit einer persönlichen Führung durch die Leica Galerie, das Museum und die beiden Stores abgerundet. Ein gemeinsames Abendessen

im historischen Wetzlar gefolgt von einer wunderbaren Nacht im Ernst Leitz Hotel… natürlich nur mit Bine. 😉

Ich muss zugeben, dass die Leitz Welt etwas Magisches für mich hat. Diesen Moment aber gemeinsam mit meiner Frau und meinen geliebten Freunden zu verbringen war etwas ganz Besonderes. Selbst Bine hat die leidenschaftliche Führung von Sebastian durch die heiligen Hallen gefallen und auch ich könnte mir das immer und immer wieder anhören.

Von Herzen Danke Verena und Sebastian!

November

Der elfte Monat des Jahres ist bei mir immer der Ruhigste. Umso erfreulicher war, dass sich jemand bei mir gemeldet hat, den ich auch schon länger über Instagram kenne. Unzählige fantastische Gespräche haben er und ich miteinander geführt. Über Gott und die Welt, über die Fotografie und nicht zuletzt über seine Superkraft: Das Anfertigen einzigartiger, zeitloser Portraits in Monochrom. 

Marco, auch als el_chico_con_leica bekannt, ist ein ganz wunderbarer, herzlicher Mensch und er hat beschlossen einen Abend von Frankfurt nach Nürnberg zu kommen, um diesen mit uns auf dem Leica Store Nürnberg Stammtisch zu verbringen. 

Es sind Begegnungen wie diese, die mir immer wieder vor Augen führen, dass die Fotografie so viel mehr ist, als ein Hobby, oder eine Leidenschaft. Es ist ein Bindeglied und die Chance großartigen Menschen wie Marco zu begegnen!

Was wir beide zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten, war, dass wir uns dieses Jahr nicht das letzte Mal getroffen haben.

Dezember

Noch am Stammtisch-Abend fragte mich Roland, ob ich nicht Lust hätte mit nach Frankfurt zu fahren. Das Frankfurter Street Photography Kollektiv Collateral Eyes veranstaltet in der ersten Dezember-Woche seinen Weihnachts-Fotowalk.

Gesagt getan!

Zugegeben, klingt einfacher als es war. Ich war um fünf Uhr morgens aufgestanden, um mich eine Stunde später mit Roland in Nürnberg zu treffen und dann mit dem Zug nach Frankfurt am Main zu fahren. Mein Geist war euphorisch, mein Körper um diese Uhrzeit jedoch nicht in der Lage diese Euphorie auch zu leben. Das besserte sich zwar während der Zufahrt etwas, aber so richtig gut wurde es erst, als Roland und ich am Frankfurter Bahnhof von keinem anderen als… na? Ja! Marco! in Empfang genommen wurden. Ein paar Fußbus-Minuten später saßen wir schon im Café Karin, mit Kaffee und einem leckeren Frühstück. Danach noch kurz in den Leica Store Frankfurt, die Galerie angucken.

Kurze Zeit später waren wir dann auch schon mit Stefan Lauterbach und Achim Katzberg von Collateral Eyes verabredet. Was wir nicht wussten: Auch die Jungs haben einen Tisch bei Karin reserviert. Gut, dann eben noch ne Runde Kaffee und Kuchen hinterher! 

Marco begleitete uns noch einen Moment, bis dann der Fotowalk mit der Frankfurter Community anging. Wir zogen gemeinsam mit dem Kollektiv quer durch Frankfurt, hier ein Foto, da ein Foto, ein bißchen plaudern, noch ein Foto.

Mein persönliches Highlight an diesen Tag war jedoch der Moment, als Faina West-Friesen mich an der Hand genommen hat und mir auf dem Weg zum nächsten Treffpunkt ein paar tolle Foto-Spots gezeigt hat.

Vielen Dank Faina! Vielen Dank auch für das tolle Gespräch! Ich freue mich auf unsere nächste Zusammenkunft!

Und dann war da nochmal Marco, der mich fragen ansah und sagte „Hey Micha, sagmal bist du eigentlich auch beim Peter Karbe Vortrag in Wetzlar?„.

Natürlich nicht! Zudem war das Event auch schon ausverkauft, verdammt!

Mit Verenas Hilfe habe ich dann doch noch ein Ticket bekommen. Warum das so wichtig war? Nun, Peter Karbes Vortrag „Stop Down For What?“ habe ich bereits zwei mal gesehen. Zugegeben, auch das dritte Mal war super. Der Grund warum ich dort hin musste war jedoch ein anderer. Ja ich MUSSTE dort hin.

Es war immerhin das erste Live Event in der Leica Welt, dass der Feder von Sebastian entsprungen ist. Der plan war dann auch schnell geschmiedet. Es war immerhin ein Donnerstag. Der Wochentag an dem man auch in Nürnberg den DonnersTalk abhält. Damit so ein bisschen was von den Nürnberger Vibes auch in Wetzlar ankommt, haben wir beschlossen, Sebastian zu überraschen. Oh, und Bier war natürlich auch dabei. 

Vielen Dank für eure Hilfe Marco und Verena!

It's not over till it's over

In diesem Jahr musste ich einmal mehr feststellen, dass die Technikspielereien zwar viel Spaß machen. Die wahren, ehrlichen und aufrichtigen Momente entstanden aber mit Menschen die mich auf meinem Weg begleiteten und hoffentlich noch sehr lange begleiten werden.

Vielen Dank an...

Bine

Es hatte einen Grund, warum ich dich geheiratet habe. Und bis zum heutigen Tag hast du es geschafft, dass noch viele weitere Gründe dazu kamen.

Ich liebe dich! Danke für dein grenzenloses Verständnis für jeden einzelnen rostigen Nagel in meinem Kopf. Egal ob ich mein Geld mal wieder für Kamerablödsinn ausgebe, anstatt mit dir in den Urlaub zu fliegen, oder ganz spontan ein Wochenende weg muss um einen Freund zu besuchen. Du bist mein Kumpel, meine Geliebte und meine geliebte Frau.

 

Sebastian

Ohne dich würde ich mein Geld immer noch für Fahrradteile, anstatt für Kameras ausgeben. Ohne dich hätte ich garantiert nicht dieses unfassbar geile Lebensjahr gehabt. Vielen Dank für die vielen tollen Momente, die Abende bei Pizza und Bier und vor allem für die vielen Halt gebenden Gespräche. Nur weil du jetzt in Wetzlar bist, kommst du mir nicht so einfach davon! Das ist eine Drohung und ein Versprechen! 

Um es mal mit deinen Worten auszudrücken: „Fuck Mann! Ich liebe dich! 

 

Roland

Ich freue mich auf viele, viele, viele weitere Spaziergänge mit dir! Egal ob in Nürnberg, Frankfurt, Hamburg, oder irgendwo anders auf der Welt! Du bist ein großartiger Mensch, mit dem ich unfassbar gerne Zeit verbringe, auch wenn ich manchmal mit keinem einzigen brauchbaren Bild nach Hause komme, weil wir uns mal wieder verquatscht haben! 😉

Maik

Ich ärgere mich immer noch, dass ich deinen Vortrag an den Erlebnistagen nicht anschauen konnte. Doch ein paar Wochen später warst du bereits erneut in Nürnberg. Zugegeben, du warst ganz schön feucht, als wir uns gesehen haben, aber das schiebe ich jetzt aber mal auf den Regen. Sofort entstanden wunderbar ehrliche Gespräche zwischen uns beiden. Diese Ehrlichkeit und Offenheit hält bis heute an! Du bist ein toller Mensch und ich freue mich auf unsere nächsten Treffen! 

 

Marco

Nun Marco, auch wenn du jetzt einen Zwergdackel hast, wirst du nicht drum herum kommen, dass wir uns wieder sehen müssen. In Nürnberg, in Frankfurt, oder in Wetzlar. Deine Herzlichkeit und Gastfreundschaft machen dich zu etwas ganz Besonderem. Die Aura, welche du ausstrahlst findet sich in den Gesichtern jedes einzelnen Menschen, den du portraitiert hast, wieder. 

Jede unserer Begegnungen in diesem Jahr war wunderbar und ich freue mich auf jede Weitere in der Zukunft!

See you in 2024 ihr Nasen!

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Micha
Jahresrückblick 2023 EinsVonZwei

ZweiTeiler

Erst wo ich so hier sitze, und zusammenschreibe was in diesem Jahr so passiert ist, bemerke ich, dass es tatsächlich keinen Monat im Jahr 2023 gab, der kein Highlight innehatte. Der Jahresrückblick besteht daher aus zwei dicht aufeinander folgenden Artikeln. Das wäre sonst alles viel zu lang geworden. Glaub mir.

Einige Highlights sind technischer Natur. Viele leben jedoch von den Menschen, denen ich begegnen durfte. Menschen, die sowohl meinen fotografischen Weg zu etwas ganz Besonderem gemacht haben, aber auch Menschen, die zu einem festen Bestandteil meines Lebens geworden sind, weil sie mehr als nur Leica Freunde sind.

Im zweiten Teil werde ich auf diese Menschen noch einmal näher eingehen. Am Ende des zweiten Artikels findest du zudem Links zu Social Media Profilen. Bitte schau dort mal rein und lass liebe Grüße dort!

Januar

Nun, wie du sicherlich bereits weißt, habe ich im Januar meine erste Leica Messsucherkamera im Leica Store Nürnberg abgeholt. Die schwarze M11 begleitet mich seither auf Schritt und Tritt. In drei Artikeln (Teil 1, Teil 2, Teil 3) kannst du meinen Weg und meine Reise mit der M nachlesen.

Ich habe es schon oft erwähnt und werde es auch immer wieder tun: Danke, Sebastian! Ohne dich wäre das nie möglich gewesen.

Februar

Wer den Kamerahersteller mit dem roten Punkt kennt, weiß, dass neue Produkte nicht immer sofort lieferbar sind. Zum Kauf der M11 habe ich mich entschieden, dass mein erstes M-Objektiv das 2023 erschienene Summilux-M 35 f/1.4 ASPH. sein soll. Nachdem sich die Auslieferung verzögert hatte, darf ich es nun endlich in den Händen halten.

Jetzt kann es so richtig losgehen. Meine eigene M-Kamera, mein eigenes M-Objektiv.

März

Manchmal bin ich einfach nur verplant. Viel zu spät habe ich entdeckt, dass der Street Photograph Joe Greer aus den Staaten zu Besuch in Nürnberg ist. Galeristin Olivia Huk  hat es geschafft eine Ausstellung mit seinen Bildern in die Leica Galerie Nürnberg zu bringen.
Was ich nur nicht mitbekommen habe, ist dass er auch Workshops gibt. Im letzten Moment, nicht ganz einen Tag vor seinem zweiten Workshop bekomme ich die Nachricht, dass noch ein Platz frei geworden ist und ich dabei bin.

Ein unfassbar inspirierendes Erlebnis das du in diesem Artikel nachlesen kannst.

Danke Olivia und Sebastian, dass ich dabei sein durfte! Vielen Dank Joe Greer für diesen inspirierenden Tag!

April

Ich bin das erste Mal in Wetzlar. Gemeinsam mit dem Leica Store Nürnberg und anderen Leica Freunden besuche ich den Leitz Park. Es ist zwar nicht die Geburtsstätte der Leica Kamera, jedoch wird hier jeden Tag Geschichte zum Leben erweckt.

Mein persönliches Highlight ist die Führung am ersten Tag. Angefangen in der Hall Of Fame geht es durch den Customer Care, welcher die Kameras und Objektive repariert, durch das berühmte Schneckengang Treppenhaus, hoch auf das Dach des Leica Gebäudes. Anschließend besuchen wir das Museum und das Archiv, die Schatzkammer des Leitz Parks.

Mein besonderer Dank gilt unserem Tour Guide Lothar Luehring. Seiner Leidenschaft zu Leica, seinem schier endlosen Wissen und seinem Charm ist es zu verdanken, dass dieser Tag in so wunderbarer Erinnerung geblieben ist!

Vielen Dank Lothar! Menschen wie du machen solche Tage zu etwas Einzigartigem. Ich freue mich auf viele weitere Begegnungen mit dir!

Ebenso im April erblickt die neue Leica M11 Monochrom das Tageslicht. Ich kann mich noch sehr gut an das Gespräch mit Sebastian ein paar Tage vor dem Release erinnern. Ich fragte ihn, ob er Lust hat, etwas essen zu gehen und er entgegnete nur, dass er so vollgepackt mit Terminen ist, dass er nicht einmal weiß, ob er Zeit hat, die M11 Mono zu testen. Nur einen Bruchteil sagte er „Micha, komm einfach morgen in den Store, dann testen wir die Mono und gehen was essen“. Ich habe mich  gefreut wie ein kleines Kind, das gerade ein rotes Spielzeugauto geschenkt bekommen hat.

Was für ein großartiges Erlebnis diese Kamera noch vor dem Erscheinen testen zu dürfen. Mit dabei war im auch das neue 50er Summilux-M. Einfach nur aufregend!

Das war im Übrigen nicht das letzte Mal, dass ich dieser Kamera begegnen sollte. Für einen DonnersTalk haben Sebastian und ich noch einen Vergleich zwischen der Mono- und der Farbvariante gemacht. Zudem habe ich die Mono mit dem Summaron 28mm, ebenso wie dem Steel Rim ausführen dürfen und hatte viele tolle Momente mit der „Farblosen“.

Vielen Dank an Sebastian und den Leica Store Nürnberg, der mir diese Momente ermöglicht hat.

Mai

In beruflicher Hinsicht habe ich schon so manche Schulung gehalten. Im Mai bab ich meinen ersten Workshop für den Leica Store Nürnberg. Zum Frühstück gab es ein paar fotografische Grundsätze gepaart mit den wichtigsten Faustregeln, dann ein Deep Dive in die Leica Q2 Technik. Nach dem Mittagessen haben wir das gelernte gelebt. Raus auf die Straßen Nürnbergs. Die Teilnehmer mussten Aufgaben absolvieren und was soll ich sagen, ich war beeindruckt! Ich war beeindruckt, was sie als Ergebnis präsentierten!

Vielen Dank an alle Teilnehmer!

Juni

In der Leica Welt bin ich noch ein Küken. Eines Nachmittags treffe ich mich mit Sebastian. War es auf ein Bier? Eine Pizza? Oder weil wir etwas testen wollten? Ich weiß es nicht mehr. Auf jeden Fall sitzt dieser Kerl mir schmunzelnd gegenüber und meint nur „Micha, ich habe dir da mal was mitgebracht“. Er zieht eine Ledertasche aus dem Rucksack und drückt sie mir in die Hand. Ich rolle die Tasche auf und finde darin ein aluminiumfarbenes 85mm Teleobjektiv. Ein Summarex – ok, noch nie davon gehört. Auch wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht, wie besonders dieses optische Instrument ist. Umso besser, dass ich einige Tage testen durfte. Total verrückt, was das Ding bei Offenblende mit dem Licht macht. Von unwirklich verschwommen bis hin zu knackscharf!

Gibt es eine schönere Art Bildung zu erfahren? 😉

Juli

Es war mal wieder einer dieser Tage. Ich fahre in die Nürnberger Altstadt und noch bevor ich meine geplante Fototour antrete bleibe ich im Leica Store hängen. Es war Zufall, dass der Store gerade ein Summilux-M 24mm im pre-owned Regal hatte. Es dauerte nicht lang, bis es wieder verkauft war, aber ich durfte es einen kurzen Moment ausprobieren. 24mm! Baby, wie geil ist das denn?! Sehe ich, fühle ich, muss ich haben!

Nun. So ein Summilux-M 24mm ist eine knifflige Sache. Zum einen wird es nicht mehr hergestellt, zum anderen ist es selbst gebraucht unfassbar teuer. Es ist aber auch sehr groß. Da ich ein Fan von kleinen Objektiven bin, bringt mir (wer soll es auch anders sein) Sebastian mal sein Elmarit 24mm. Statt 1.4 hat das gute Stück eine Offenblende von 2.8mm. Das funktioniert. Also für mich!

Ich durfte es in den Slovenien-Urlaub mit meiner Frau mitnehmen und habe es dort fast ausschließlich verwendet.

Nun, was soll ich sagen. Jetzt habe ich ein kleines schwarzes 24mm Elmarit, dass mich immer begleitet. Danke Sebastian? 😉

Ebenso im Juli fand das größte Streetfoto Treffen Deutschlands statt. Organisiert vom Nürnberg Unposed Kollektiv trafen sich beim Meet&Street 2023 Street Fotografen und Fotografinnen aus ganz Deutschland und darüber hinaus. Gemeinsam ging es auf Fotowalks und endete am KOM, wo man zwei seiner Bilder für einen guten Zweck zu freien Verkauf aufhängen konnte.

Danke Nürnberg Unposed für den entspannten Tag und die Organisation des Events!

Als wenn das nicht schon genug wäre, so hatte es im Juli noch ein weiteres legendäres Highlight. Der Leica Store Nürnberg veranstaltete die Leica Store Nürnberg Erlebnistage.

An 3 Tagen fanden unter anderem Vorträge von Peter Karbe, Olaf Wolf, Herbert Piel, Feyzi Demirel, Norbert Rosing und nicht zuletzt Maik Kroner statt. Klaus Gamber saß an der Flowbox und reparierte unermüdlich Objektive und Kameras. 

Es war spürbar wie wohl sich alle diese Menschen, die Nürnberg womöglich vorher noch nie besucht hatten, zumindest nicht den Leica Store, sofort wohlgefühlt haben. Eine wirklich einzigartige Stimmung machte sich in allen Gemütern breit und das Event zu etwas ganz Besonderem.

Vielen Dank an dieser Stelle an Klaus Gamber, dessen Bilder ich für meine Beiträge zu den Erlebnistage verwenden darf, nachdem meine Speicherkarte leider kaputt war.

Dennoch ärgere ich mich ein wenig, da ich es zeitlich leider nicht einrichten konnte, Maik Kroners Vortrag zu besuchen. Wie sich herausstellen sollte, wurde Maik in diesem Jahr noch zu einer ganz besonderen Personalie. Mehr dazu aber im zweiten Teil des Jahresrückblicks 2023.

 

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Micha
Leica M11 - Der Siebträger unter den Kameras

„Wenn du dir etwas den Kopf gesetzt hast, dann findest du einen Weg“

Es ist Januar 2023. Ich habe soeben den Leica Store Nürnberg betreten. Gegenüber von mir steht ein super entspannter Sebastian Scholz.

Erstaunlich, denn in den letzten Wochen, seit meinem zweiten Test der Leica M11 habe ich ihm förmlich in den Ohren gelegen, dass ich so eine Kamera haben muss.

Da ich nicht besonders gut im Sparen bin und die Banken derzeit utopisch hohe Zinsen für Spaßkredite verlangen, war die Aussicht eher schlecht. Doch noch bevor ich eines meiner Organe auf dem Schwarzmarkt verkaufen musste, hat Sebastian eine elegante Lösung gefunden.

Meine Frau sagte noch: „Micha, es ist schon erstaunlich, wenn du dir etwas in den Kopf gesetzt hast, dann findest du immer einen Weg“. Damit hat sie recht. Meistens.

Ohne Sebastians Hilfe hätte sich für mich keine Tür zur M11 geöffnet. Ich kann ihm dafür gar nicht genug danken. Ernsthaft, danke Sebastian!

Cool – Von wegen

Ich versuche nicht angespannt zu wirken. Im Laden setzen ich mich auf einen schwarzen Lederhocker. Dann stehe ich wieder auf, streife mir meine Schulterasche ab und setze mich wieder, nur um kurze Zeit erneut aufzustehen, um meine Jacke auszuziehen.

Ja, ich bin aufgeregt. Ich platze vor Anspannung. Aber ich möchte Sebastian auch nicht nerven. Immerhin habe ich ihn schon gebeten, die Kamera etwas früher abholen zu dürfen, auch wenn mein (erstes M) Objektiv noch nicht lieferbar ist. 

Ich versuche mich zusammenzureißen und nicht wie bei einem Banküberfall die Herausgabe der Kamera zu fordern. Sebastian und ich unterhalten uns noch einen kurzen Moment, dann läuft er schmunzelnd mit einem „na dann wollen wir mal…“ zum schwarzen Wandschrank und holt einen grau-beigen Karton heraus.

Er setzt sich mir gegenüber und drückt mir grinsend die Box in die Hand. Dazu ein kleines Taschenmesser mit Leica Logo.

Auf der Ecke des Kartons steht handschriftlich „M11 schwarz“.

Ist ja nicht so, dass ich nicht schon weiß, was drin ist. Trotzdem fängt das Kind in mir an, vor Freude noch wilder zu tanzen. Zwar soll der Kunde eigentlich nur den Inhalt dieses Kartons bekommen, aber es ist wie eine Art Geschenkpapier, das man öffnet, um zum eigentlichen Geschenk zu kommen.

Trotz Messer stelle ich mich tölpelhaft an und bekomme den Aufkleber nicht auf. Ich werde grinsend beobachtet. Dieser kleine Aufkleber… verdammt nochmal… offen, endlich.

Der Inhalt der Box-Box

Der erste Karton, die erste Box ist offen. Darin eine weitere Box. Sozusagen eine Box-Box. Ein silberfarbener Karton mit schwarzen Applikationen. Ich weiß ganz genau was sich darin befindet. Auch wenn der Auftritt weitaus weniger spektakulär ist, wie bei der Leica Q2, so kommt es auf den Inhalt an. Die Verpackung, das Schmuckkästchen der Q2 war zwar opulent, aber trotzdem lebt es seither auf dem Dachboden und findet kaum mehr Beachtung. Daher bin ich nicht böse, dass die Verpackung der M11 nicht so pompös ausfällt.

Natürlich nehme ich zuerst den M11 Body aus der Verpackung.

An dieser Stelle muss ich dann doch etwas anmerken: Sorry Leica, aber anstatt einer Plastiktüte, hätte es auch gerne ein Mikrofaser Stoffbeutel, oder ein Einschlagtuch sein dürfen, in dem ihr das Kameragehäuse verpackt. Das wäre diesem Produkt würdiger und hätte zudem den praktischen Nutzen, dass man gleich etwas hat, womit man die Sucherfenster sauber machen kann.

Jetzt halte ich sie in der Hand. Meine erste eigene Messsucherkamera. Meine erste M-Kamera. Meine Leica M11. Ich habe mich für ein schwarzes Exemplar entschieden. 100 Gramm weniger, aber vor allem das mattschwarze, leicht raue Finish des Gehäuses haben es mir angetan. Zwar ist die Silberne mehr “retro”, dafür ist die Schwarze unscheinbarer. Bei einem beinahe 2 Meter großen Kerl, wie ich es bin, fällt eine silbern leuchtende Kamera nochmal etwas mehr auf als die kleine Schwarze. Muss einfach nicht sein.

(K)eine Kamera für die Vitrine

Noch während ich die Kamera von allen Seiten begutachte, jedes Stück, jede Kante mit meinen Fingern abfahre, steht Sebastian erneut auf und fragt mich “wie siehts aus, willst du dir bis deins kommt auch ein Objektiv mitnehmen?”

Natürlich habe ich daran gedacht! Nur hätte ich nicht gewagt es auszusprechen, da ich den Bogen schlichtweg nicht überspannen wollte. Bei aller Vorfreude, hätte ich mich damit zufrieden gegeben, in den nächsten Wochen die Kamera einfach vor mir stehen zu haben und ansehen zu können, bis mein erstes eigenes Objektiv kommt.

Kurz darauf steht ein kleines Summicron-M 35mm aus der Pre-Owned Vitrine vor mir. Wow! Danke!

„Nicht der Fotograf sucht die Kamera aus, sondern die Kamera sucht sich den Fotografen aus“

Ich weiß nicht mehr, ob es an diesem Tag war, dass Sebastian diesen Satz zu mir sagte. Es war jedenfalls die Reaktion auf die Geschichte, warum ich die Leica M11 unbedingt haben wollte. Das, was ich dir in Teil 2 erzählt habe.

Er sagte „Nicht der Fotograf sucht die Kamera aus, sondern die Kamera sucht sich den Fotografen aus“.

Das gleiche sagt man, wenn es um Haustiere geht. In meinem Fall als: Nicht das Herrchen sucht sich die Katze aus, sondern die Katze sucht sich das Herrchen aus.

Alles wie vorher und doch alles anders

Doch was hat sich denn nun zur Q2 verändert? Ist doch nur eine Kamera? Auch die Brennweite ist kaum anders. 28mm versus 35. Warum keine 28? Warum die M und nicht mehr die Q2 mit Autofokus? Die paar Megapixel mehr? Der interne Speicher? Andere Kameras machen auch technisch gute Fotos und am Ende macht das Bild immer noch der Fotograf. Warum als eine Leica M? Mir sind viele Fragen begegnet und die Antworten waren immer die gleichen:

Es fühlt sich im Kopf anders an. Manche betiteln es mit dem Wort „Entschleunigung“. Ja, dass ist es auch und es ist noch viel mehr. Es ist das bewusste (Er)Leben der Fotografie.

Natürlich kann ich bei „modernen“ Kameras den Autofokus abstellen und manuell fokussieren. Jedoch macht man das selten. Hinzu kommt, dass das Fotografieren mit einem Messsucher, das Übereinanderlegen des Doppelbildes, der Sucherrahmen, das lebendige Bild, kein elektronischer Sucher, sich für mich anders, besser anfühlt.

Zudem spüre ich, wie ich mich dazu anhalte bewusster zu Fotografieren. Ich denke der Begriff „Entschleunigung“ setzt sich aus vielen einzelnen Facetten zusammen, die man lange erklären könnte und dann wäre es für den unbeteiligten (nicht M-) Fotografen immer noch schwer greifbar, weshalb sich das Fotografieren mit einer Leica M anders anfühlt.

Vollautomat vs. Siebträger

Manchen genügt es morgens einen Knopf zu drücken, das Geratter des Kaffee-Vollautomaten zu ertragen und dann das Endprodukt zu konsumieren.

Ich hingegen genieße es, morgens die Tüte mit den frischen Kaffeebohnen zu öffnen, daran zu riechen und eine Hand voll in die Mühle zu geben. Danach den Siebträger ausspannen, unter die Mühle halten und dabei zusehen wie das perfekt gemahlene Kaffeemehl im Siebträger landet. Kurz etwas klopfen, gerade streichen, festdrücken, dann in die Maschine einspannen. Eine Hand legt den Hebel um, die andere stellt eine Tasse unter. 

Nur wenige Momente später fließt der Espresso in einem dünnen Strahl und diesem ganz markanten Geräusch in die vorgewärmte Tasse. 

 

Allein der Weg zum Kaffee, das Ritual, welches damit einhergeht, fühlt sich für mich schon legendär gut an. Wenn dann noch das Resultat stimmt, war es ein perfektes Erlebnis.

Genauso erlebe ich es mit der Leica Messsucherkamera. Das Motiv im Messucher, die Haptik der Kamera, die Raster des Blendenrings, die Präzision des Fokusrings. Alles das macht für mich den Weg zum Resultat zu einem tolleren Erlebnis.

Besser spät als nie

Nicht ganz ein Jahr ist nun vergangen, seit meiner Bekenntnis zur Leica M. In diesem Jahr ist viel passiert. Mehr als ich mir zum damaligen Zeitpunkt hätte vorstellen können. Die Resultate sieht man in Bildform täglich auf Instagram und in unregelmäßigen Abständen auch hier im Blog. 

Die Freude an der Fotografie ist größer denn je und ich freue mich darauf, dir noch viele weitere Momente zeigen zu dürfen. 

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Micha
Leica Erlebnistage 2023 in Nürnberg

3+1 Tage voller Erlebnisse

Zwar gehörte es offiziell nicht zu den Leica Erlebnistagen, jedoch begann das Event für mich insgeheim schon am Donnerstag.

Die Leica Galerie Nürnberg lud zur Vernissage von Jürgen Schadeberg ein. Die Aufnahmen des 2020 verstorbenen Fotografen schrieben Geschichte, oder besser gesagt, sie dokumentieren Geschichte. Die Galerie zeigt Bildmaterial, das bisher nur im Leica Archiv lagerte, aber noch nicht in einer Ausstellung hingen.

Es war jedoch nicht die einzige Vernissage an diesem Abend. Der Leica Store Nürnberg eröffnete gleichzeitig eine Galerie mit Bildern von Peter Karbe. Der gelernte Fotograf ist seit knapp 30 Jahren für die Entwicklung und Weiterentwicklung von Leica-Objektiven zuständig. Ich möchte behaupten, dass jeder Leica-Fotograf mindestens eines, vermutlich aber schon mehrere Objektive aus seiner Feder in der Hand hatte, beziehungsweise damit fotografiert hat.

Zugegeben, als ich am Donnerstag in den Leica Store stolperte und alle Anwesenden begrüßte, kam mir das Gesicht bekannt vor, aber es dauerte einen Moment, bis mir einfiel, dass es Peter Karbe ist. Erstmal war er einer dieser vielen coolen Typen denen ich dort seit jeher begegne. Aber das nur am Rande.

Seine Aufnahmen entstanden mit Objektiven, welche sich gerade in der Entwicklung befanden oder auch vor Produktionsbeginn getestet werden wollten. Sie sind jedoch weit mehr als einfache Leistungsbeispiele. Sie zeigen Stillleben, Landschaften und Makroaufnahmen, doch mit Worten sind sie kaum zu beschreiben. Mal zum Greifen scharf, mit einer Dreidimensionalität, die ihresgleichen sucht, mal verträumt, schon fast einem Gemälde ähnelnd.

Die Person Peter Karbe? Wissend, kernig, sympathisch! Als er sich beim Abendessen neben mich setzte, war ich ein wenig demütig. Ich hing an seinen Lippen und wusste nicht, welche Frage ich ihm zuerst stellen sollte. 

Am Ende ertappte ich mich, wie ich ihm verträumt von meinen Leica-Erlebnissen erzählte und auch dem 24mm Elmarit, das ich gerade von Sebastian zum Testen geliehen habe. „Das 24mm habe ich damals mitentwickelt“, meinte Peter nur schmunzelnd.

Stop Down For What

Der erste Erlebnistag startete dann auch gleich mit einem Vortrag von Peter Karbe. Er erklärte, warum früher 1-2 Stufen abgeblendet werden musste, aber auch, warum das heute nicht mehr notwendig ist. Er appellierte an die Teilnehmer, dass sie sich mal auf eine offenblendige Erfahrung einlassen sollten. Nur so als Empfehlung, versteht sich. Nach einer Schnellreise durch die Grundzüge der Objektiventwicklung, MTF-Kurven und ein paar anderen technischen Darlegungen folgten noch einige Bildbeispiele. Ich wusste zwar, um was es in den Grundzügen seines Vortrages gehen würde, nämlich darum, dass die Blende ein künstlerisches Element ist und nicht dazu dient, wie viel Licht auf den Sensor kommt. Aber ich habe noch dazu unfassbar viel gelernt.

Reparaturen und Sensorreinigungen

In der Kaffeepause ging es zurück in den Store. Dort war Klaus Gamber bereits fleißig am Schaffen. Zumindest würde man das in seinem Dialekt so betiteln. Klaus reparierte unermüdlich Kameras und Objektive. M2, M3, M4, M7, zahlreiche M6 gingen an diesem Wochenende durch seine Hände. Aber er konnte wirklich nahezu alles reparieren. Auch Schraub-Leicas und alle nur denkbaren Objektive von alt bis neu. Es war beeindruckend Klaus Gamber dabei zuzusehen, wie er konzentriert mit ruhiger Hand Schraube für Schraube löste und exakt wusste, welchen Schritt er als Nächstes angehen musste. Mit zum Teil eigens hergestelltem Werkzeug, löste er mit chirurgischer Präzision so gut wie jedes Problem. Mehr als 70 Sensor-Reinigungen hatte er allein bis Samstagabend durchgeführt. Wahnsinn!

Aussendienstmitarbeiter

Wieder zurück zur Eventlocation. Olaf Wolf stand auf dem Programmplan. Wie beschreibt man Olaf Wolf? Nun. Er selbst sagt, er sei gelernter Flugzeugmechaniker. Leica sagt, dass er seit über 20 Jahren ein Außendienstmitarbeiter der Firma sei. Aber in Wirklichkeit ist Olaf Wolf viel mehr als das. Er ist Fotograf, Techniker, Nerd, Enthusiast. Er begeistert sich für alles Technische rund um die Marke Leica, ist Beta-Tester und breit aufgestellt, auch wenn es um Zubehör geht. Nicht nur Leica-eigenes. So gibt er uns zum Beispiel Tipps, welches Kabel zum entfesselten Blitzen taugt, welcher Remote-Auslöser funktioniert und auch was sich so dieser Tage in der Pipeline befindet. Keine Interna, versteht sich, aber zum Beispiel eine neue Firmware für die Q3. Die Teilnehmer durften Olaf Fragen stellen. Technische, aber auch fotografische, und nicht zuletzt auch ein paar neue Bugs mit auf den Weg nach Wetzlar geben. Manche davon haben sogar ihn überrascht.

Danke, Olaf! Solltet ihr noch einen Tester suchen: „Hallo! Hier! Ich bins, der Micha!“ 

Leider musste ich nach diesem Vortrag los und konnte daher Maik Kroners Vortrag nicht ansehen. Maik bin ich aber vor, zwischen und nach den Vorträgen immer wieder begegnet. Ein sehr sympathischer Mensch, mit einem hervorragenden Auge für Szenen, die sich in Schwarz-Weiß ablichten lassen.

Meistens war es immer Glück

Der Samstag begann für mich mit einem schnellen Kaffee im Leica Store, gefolgt von Herbert Piel. Der Titel seines Vortrags „Meistens war es immer Glück“. Er nahm uns mit auf eine Reise durch sein Leben, und tatsächlich, Glück war da schon oft dabei.

So durfte er, lediglich mit einem Bademantel bekleidet, niemand anderen als den früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt, ebenfalls nur mit einem Bademantel bekleidet, fotografieren. Nichtsdestotrotz steht Herbert Piel für einen findigen Bildjournalisten, der seine Standpunkte bewusst gewählt und clever ausgenutzt hat. Die Bilder zeigten das sehr gut. Er zeigte uns beeindruckende und geschichtsträchtige Momente, ohne sich dabei zu wichtig zu nehmen und immer gepaart mit einer Prise spitzbübischen Humor.

Hintergründe, Tipps und Gefühle in Istanbul

Den Abschluss des Samstages machte Feyzi Demirel. Feyzi ist dieser sympathische Typ, den man auch auf YouTube immer mal wieder gemeinsam mit Patrick Ludolf sieht. Er ist aber auch der Typ, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Istanbul in allen seinen Facetten zu zeigen. So nimmt er uns auf einen fotografischen Kurztrip durch „sein Istanbul“ mit.

Anderthalb Stunden reichen nicht einmal annähernd, um die 15 Millionen Einwohnerstadt zu beschreiben. Dennoch beeindrucken mich seine Aufnahmen. Die kleinen, verwinkelten Gassen des alten Istanbuls im Kontrast zum Modernen Istanbul auf der anderen Seite der Galata Brücke.

Eine tolle Lichtstimmung, die über die zum Teil schweren Lebensbedingungen der Einheimischen hinweg täuschen könnte. Starke Persönlichkeiten, Charakterportraits inmitten romantischer kleiner Straßen. Verschiedene Religionen, unterschiedliche politische Ansichten, dicht an dicht.

Ich bin bestimmt nicht der einzige in Vortragsraum, der Istanbul bisher nicht so recht als fotografisches Reiseziel auf seiner Liste hatte, was sich an diesem Tag ändern sollte.

Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass die Frühjahrsreise 2024 des Leica Store Nürnberg nach Istanbul gehen wird. Gemeinsam mit Feyzi Demirel und dem Store kann man Istanbul erkunden. Vielleicht schaffe ich es auch dabei zu sein. Hoffentlich!

Künstliche Intelligenz versus Analoger Diavortrag. Wie bitte?

Frank Hacker gibt einen Einblick in die Bilderstellung mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI). Nachdem er uns erst einmal wunderbar aufs Glatteis geführt hat, mit vermeintlichen Peter Lindberg Aufnahmen, die sich im Nachgang als künstlich erzeugte Bilder entpuppt haben, geht er auf den Entstehungsprozess ein. 

In Franks Vortrag ging es aber weniger um die moralischen Fragen, die sich daraus ergeben, als viel mehr um den reinen Umgang, das Erschaffen solcher Bilder. Zudem zeigt es, welche noch nie dagewesenen Chancen KI beim Erstellen von Bildern ermöglich. So kann man Bilder erschaffen, die unter „normalen Bedingungen“ gar nicht möglich gewesen wären. Oder auch Bilder, die unter irdischen Bedingungen gar nicht möglich sind!

Nicht nur, dass Frank es geschafft hat, dass auf den ersten Blick komplexe Thema einfach darzustellen. Er hat auch gleich einen Meilenstein im Umgang mit KI aufgezeigt. So nutzt er diese nicht nur, um das endgültige Bild zu produzieren. Er nutzt KI auch im Vorfeld um sich den Befehlssatz für den Bildgenerator erzeugen zu lassen. Smart! 

Klack-Klack zum nächsten Bild

Das absolute Kontrastprogramm dazu bildet dann Norbert Rosing mit seinem Abschlussvortrag. Er nimmt uns mit in einen kleinen Teil seines Analogarchivs. Anstatt also über einen Beamer Bilder zu betrachten, hören wir im Hintergrund das Klacken zweier Diaprojektoren. Diese werfen unfassbare Aufnahmen auf die Leinwand.

Norbert Rosing ist kein Unbekannter. Dennoch machen seine Bilder immer wieder sprachlos.

Dabei möchte ich jetzt gar nicht so sehr darauf eingehen, ob diese Bilder auch so großartig aussehen würden, wenn sie digital fotografiert wären, oder ob die Farben und Darstellungen nur so fantastisch aussehen, weil es ein analoges Dia ist. (Mist, jetzt habe ich es doch irgendwie getan). Ich habe kein großes Faible für Landschaftsfotografie, aber Norbert zeigt uns den Planeten Erde von seiner schönsten Seite. Die Szenen wirken zum Teil surreal. Es fällt mir wirklich schwer, dass zu beschreiben. Aber jeder, der einmal die Chance hat eine Ausstellung von Norbert Rosing zu besuchen, sollte das auf jeden Fall machen. Ihr werden euren Augen nicht trauen!

Ich zeige euch wie immer bewusst keine Bilder aus der Galerie, oder den Vorträgen. Es würde den Aufnahmen nicht gerecht. Ihr müsst diese mit euren eigenen Augen sehen.

Der Tag endet damit, dass wir Norbert noch eben helfen, seine Diaprojektoren und sein Equipment wieder ins Auto zu räumen. So wie wir es am Vortag auch schon zum Vortragsraum gebracht haben. Selbstverständlich versteht sich. Denn wir alle sind der Leica Store Nürnberg.

...die Punks der Leica Stores

Zitat: Herbert Piel

Mal wieder hat der Leica Store Nürnberg gezeigt, wie entspannt so ein Event sein kann. Ich bin mir sicher, dass die Mädels und Jungs des Stores lange darauf hingearbeitet haben und viel Energie und Fleiß investiert haben, um die ersten Leica Erlebnistage in Nürnberg auf die Beine zu stellen.

Aber soll ich euch was sagen? Das spürt man… und man spürt es nicht. Einerseits, war das Event hervorragend organisiert. Die Eventlocation war keine 5 Minuten vom Store entfernt. Der Raum hatte eine tolle Wohlfühlatmosphäre und gemütliche Sitzgelegenheiten. Er war weder zu groß, noch zu klein.

Gleichzeitig hat man 3+1 super zwanglose Tage erlebt. Tolle Vorträge mit perfekt gewählten Pausen, welche man in familiärer Atmosphäre inmitten des Stores und seiner Mitarbeiter verbringen durfte. Für Kaffee (und Bier ;)) war jederzeit gesorgt und da man mitten in der Altstadt war, musste man sich um sein leibliches Wohl auch keine Sorgen machen.

Neben den Hauptvorträgen konnte man mit Leica Akademie Referent Markus Klimek das SL System entdecken, bei Stadtführungen das Nürnberger Reichsparteitagsgelände, ebenso wie die Lochgefängnisse erkunden, oder aber einfach alles testen, was da im Store so in den Vitrinen steht.

Zudem hat es der Leica Store mal wieder geschafft, dass man sich wie ein Teil der Leica Familie Nürnberg fühlt. Ich habe viele tolle Menschen kennenlernen dürfen und viele spannende Gespräche geführt. Nicht nur mit den Referenten, sondern auch mit zahlreichen Teilnehmern. Schön, dass ihr alle da wart!

Michel Birnbacher hat einen herausragenden Job bei der Moderation gemacht. Das gesamte Team der Leica Galerie und des Leica Store Nürnberg haben uns ein einzigartiges, aber hoffentlich nicht einmaliges Event-Wochenende geboten.

Bis zu den Leica Erlebnistagen 2024!

Was du jetzt noch wissen musst

Vielen Dank an Klaus Gamber, dessen Fotos ich für diesen Artikel nutzen darf. Leider sind mir aus irgendeinem nicht ersichtlichen Grund meine eigenen Aufnahmen abhanden gekommen.

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Micha
Aftermath Leica Q2 Workshop

Aftermath Leica Q2 Workshop

Ein Workshop zu Fotografie-Grundlagen und Kameratechnik. Klingt jetzt erstmal ein wenig langweilig, oder?

Wenn du aber nun bedenkst, dass ich für meinen Leica Q2 Workshop kein Skill-Level bei den Teilnehmern vorausgesetzt habe, bekommt die Nummer schon ein bißchen mehr Pepp. Das gibt der Sache etwas von einer Schatzkiste. Man weiß bis zum Beginn nicht so recht, wer da auftauchen wird.

Erst am Workshoptag, wenn man die Box öffnet, stellt man fest: Da sitzen nun selbstbetitelte „blutige Anfänger“ neben ambitionierten Hobbyfotografen. Menschen, die erst seit kurzem eine Kamera in der Hand halten, neben Menschen die bereits vor mehreren Jahrzehntennoch zu Zeiten der Analogfotografie gestartet haben.

Kann das gut gehen?

Jetzt langweilen wir die Fotografen erst einmal mit Grundlagen und überfordern danach die Einsteiger mit herausfordernden Aufgaben. Ja? Nein.

Natürlich könntest du jetzt meinen, dass einen langjährigen, eingefleischten Fotografen die Grundlagen der Fotografie nicht mehr interessieren müssen.

Tatsächlich war es so, dass alle Teilnehmer mit auf die Reise gegangen sind. Daraus entstand ein wunderbarer Dialog, der die Basics nicht nur aufgegriffen hat, sondern dazu auch ganz viele Ideen aufgezeigt hat, wie vielfältig man diese einsetzen kann.

Warum überhaupt Grundlagen?

Grundlagenkurse gibt es wie Sand am Meer. Das ist auch mir bewusst. Ohne Grundlagen geht es trotzdem nicht.

Viele sagen immer „es kommt nicht auf die Technik an“. Da möchte ich nicht widersprechen, jedoch etwas ergänzen: Wer die Technik nicht verstanden hat, kann sich nicht in Gänze seiner Kreativität hingeben. 

Erst wenn du die Knöpfe kennst und die Räder intuitiv drehst, kannst du dich auf das konzentrieren, was vor der Linse passiert.

Nachdem wir im Tiefflug durch die Features der Q2 navigiert haben ging es zum Mittagessen.

Tiefenschärfe, Dynamik, Framing

Zum Verdauen durften die Teilnehmer beim anschließenden Spaziergang drei Aufgaben erfüllen.

Verdammt nochmal! Unglaublich was die abgeliefert haben! Damit habe ich nicht gerechnet. Das war weit weg von „technisch abgearbeitet“.

Es begeistert mich zu sehen, wie vielfältig und ideenreich jeder rangegangen ist. Gleichermaßen zeigt es, wie unterschiedlich man die Aufgaben umsetzen kann. Kein Bild gleichte dem anderen.Jjeder hat die Aufgaben fantastisch gemeistert.

Für mich ist es wirklich toll, solche Ergebnisse sehen zu dürfen und gleichermaßen motiviert es mich bald den nächsten Workshop zu geben.

An alle Teilnehmer: Schön, dass ihr da wart! Für mich war es ein toller Tag, ich hoffe für euch ebenso!

 

Vielen Dank Joachim Schroeter, dass du mir deine Ergbnis-Bilder zur Verfügung stellst.

Vielen Dank auch an Roland Lechler. Sehr cool, dass du da warst und vielen Dank für die Begleitbilder! 

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Micha
Leica Store Nürnberg DonnersTalk: Ein Monat M11 Monochrom

Ich bin keine 2 Minuten im Leica Store und Sebastian kommt mit glänzenden Augen auf mich zugelaufen. In den Händen hält er eine graue Schachtel, aus der soeben eingetroffenen Lieferung. 

„Riech mal dran“ sagt er grinsend. Trotz leichtem Schnupfen entrinnt mir ein „Leica M11 Monochom“ und einen kurzen Moment später packen wir die neue „Schwarz-Weiß-Kamera“ auf Basis der aktuellen Messsucherkamera M11 aus. Supergut! Ob ich sowas brauche? Ja klar! Irgendwann. 😀

Einen Monat lang haben wir die M11 Monochrom getestet. Im vergangenen DonnersTalk haben wir unsere Erfahrungen gepaart mit Testbildern präsentiert.

Wer danach Lust hat die Leica M11 Monochrom zu testen, schaut am besten im Leica Store Nürnberg vorbei.

 

Viel Spaß beim Ansehen! 

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Micha
Leica M11 - Man sieht sich immer zwei Mal

Ein anstrengendes Jahr neigt sich dem Ende. Die mentale Belastung eines Arbeitsprojekts wirkt sich mittlerweile körperlich aus und sorgt dafür, dass ich seit Monaten schlecht schlafe. Zwei Stunden pro Nacht. Manchmal weniger.

Das Jahr war nicht minder erfolgreich. Sowohl in sportlicher, fotografischer als auch beruflicher Hinsicht war es wirklich gut. Jedoch macht es der Schlafmangel und die damit einhergehende Erschöpfung nahezu unmöglich, diese Erfolge zu fühlen.

Es ist Anfang Dezember 2022 und eine etwas ruhigere Phase ist angebrochen. Daher habe ich mich dazu entschlossen, so kurz vor Jahresende die Leica M11 vom Leica Store Nürnberg noch ein zweites Mal auszuleihen. Zwar habe ich zu Beginn des Jahres die erste Kostprobe mit einem „Ich bin mir nicht sicher, ob ich sowas brauche

beendet, jedoch war für mich bereits damals klar, dass es nicht das letzte Mal war, dass ich diese Leica Kamera teste.

Zur Vorbereitung auf den #DonnersTalk – ISO invariante Sensoren hatte ich zwischenzeitlich einige andere Leica Modelle in der Hand. Eine SL2, SL2-S, M10, M10 Monochrom und erneut die silberne M11. Warum ich das „silbern“ so betone, erfährst du gleich.

Die SL-Kameras sind zwar auch toll, jedoch für das, was ich vorhabe, zu groß. Der Formfaktor der M-Kamera-Gehäuse erinnert an meine Q2. Jedoch mit einer noch schöneren Oberfläche und weicheren Belederung.

Vorbereitungen hatte ich zudem ein 35er Summicron-M. Dabei wurde mir klar: Nicht die Kamera allein war bei meinem ersten Test „so schwer“. Das 50er Summilux-M f/1.4 hat einen maßgeblichen Teil dazu beigetragen.

Du musst wissen, dass die Silberne M11 eine Messingplatte an der Oberseite des Kamerabodys verbaut hat. Diese macht die Kamera 100 Gramm schwerer als ihre schwarze Schwester. Das 50mm Summilux-M f/1.4 ist ebenso an vielen Stellen aus Messing gefertigt. Diese Kombination war es, die mir damals dieses „schwere Gefühl“ vermittelt hat.

Die Äußerlichkeiten

Bei den Vorbereitungen war mir zudem bewusst, dass es keine M vor der „Elfer“ für mich sein könnte. Die Bodenplatte der älteren Modelle nervt mich. Ich spüre weder das nostalgische Gefühl, das ein alteingesessener M-Fotograf hat, noch habe ich ein Problem damit, Traditionen zu brechen. Aufschrauben, Abnehmen, Speicherkarte bzw. Batterie entnehmen und dann wieder alles zurück. Unnötiges Gefummel immer nahe dran, etwas fallen zu lassen. Nichts für mich.

Bei der Leica M11 gibt es keine Bodenplatte mehr. Der Akku kann direkt entnommen werden. Ähnlich wie bei der Q2 oder den SL2-Modellen hat auch die M11 einen Riegel, mit dem man den Akku löst. Damit dieser nicht sofort zu Boden fallen kann, muss man ihn noch einmal kurz „anstupsen“, und er kann entnommen werden. Darunter befindet sich die Speicherkarte.

Zugegeben, auch keine 100%ige Lösung, aber immerhin eine Verbesserung. Die Q2 mit zwei getrennten Fächern ist da noch einmal entspannter.

Nun könnte ich Vermutungen dazu anstellen, warum dem so ist. Vielleicht, weil Leica davon ausgeht, dass der geneigte M-Fotograf seine Bilder nicht nach jedem Fotowalk überträgt. Vielleicht auch, weil die Leica M11 mittels Kabel ausgelesen werden kann. Das ist leider eine eher halbfertige Lösung.

So kann man die Kamera zwar mittels USB-C-Kabel an den Rechner anschließen. Auf dem Mac wird diese dann aber als Gerät, nicht jedoch als Wechselmedium erkannt. Das hat zur Folge, dass man die Aufnahmen zwar in Lightroom oder mit der Apple eigenen „Digitale Bilder“ App übertragen kann, jedoch nicht mit Programmen wie z. B. Photo Mechanic, welche nur auf Speichermedien zugreifen.

Oder aber, man verwendet das mitgelieferte USB-C-auf-Lightning-Kabel und schließt die Kamera direkt an ein iPad oder iPhone an und liest diese mit der Leica Fotos App aus. Das geht übrigens auch per WiFi. Da ich meine Bilder aber gerne auf einem großen Bildschirm bearbeite, mache ich das eher selten.

So bleibt mir derzeit nur, den Akku zu entfernen, um dann die Speicherkarte zu entnehmen.

Ich hoffe, Leica legt an dieser Stelle noch einmal Hand an und reicht die Möglichkeit nach, die Kamera als Wechselmedium auf macOS einzubinden.

Im Dunkeln zeigt die M11 ihre Stärken

Aufgrund meiner Erfahrungen während der Donnerstalk-Vorbereitungen nehme ich somit diesmal das Summicron-M 35mm f/2.0 mit. Zwar wieder auf der silbernen M11, aber auch nur, weil es keinen schwarzen Vorführer gibt und auch keine schwarze M11 auf Lager ist.

Wie meine Q2 begleitet mich die M11 auf meinen alltäglichen Wegen und bei jeder sich ergebenden Möglichkeit, um sie so viel wie möglich auszuprobieren.

Wir erinnern uns, es ist Dezember. Ich komme meist erst zum Anbruch der Dunkelheit aus dem Haus und bin erstaunt, was diese Kamera im Stande ist in Low-Light-Situationen zu leisten. Die feinen Schattenverläufe und die Fähigkeit des Sensors, auch große Dynamikbereiche abzudecken, sticht dabei hervor. Es erinnert ein wenig an die M10 Monochrom, welche selbst aus dunklen Bereichen noch einmal mehr Details herausholt, jedoch in Farbe und gefühlt noch einmal etwas schärfer.

Seit langer Zeit fange ich wieder an, ganz bewusst Umwege in Kauf zu nehmen. Ich parke nicht mehr direkt am Ziel, sondern entfernt, um den Weg zum Fotografieren nutzen zu können.

Auf den Weihnachtsmärkten der Region teste ich die Leica M11 ausgiebig. Dabei fallen mir gleich ein paar Dinge auf.

Trotz der zum Teil massiven Helligkeitsunterschiede zwischen den eher schlecht beleuchteten Passanten in den Zwischengängen und den hellen Standbeleuchtungen schafft die M11 den Spagat und bildet meisterhaft ab. Die Aufnahmen wirken über den kompletten Dynamikbereich ausgewogen und natürlich.

Sofern man mit seiner Belichtungszeit nicht vollkommen daneben liegt, lassen sich zudem im DNG auch über- und unterbeleuchtete Teile mühelos wieder „zurückholen“.

Ich lass für dich das Licht rein

Der perfekte Zeitpunkt, um die neue Belichtungsmessmethode zu erwähnen. Früher wurde die Belichtung anhand eines separaten Belichtungsmessers ermittelt. Dieser hat das einfallende Licht auf dem Verschlussvorhang (dort war ein Heller Bereich aufgebracht) ermittelt und eine entsprechende Belichtungsempfehlung ausgesprochen.
Bei der Leica M11 wird die Belichtung über den Sensor gemessen. Das sorgt für präzisere Messergebnisse und schafft die Möglichkeit zwischen verschiedenen Messmethoden (Spot, Mittenbetont, Helle Bereiche betont, Mehrfeld) wechseln zu können.
Für mich ein weiterer Grund zur M11 und nicht zu einer Vorgänger-M zu greifen.

Einen Wehrmutstropfen gibt es dabei dennoch. Durch dieses Verfahren lässt Leica den Verschluss doppelt fahren. Dies führt zu einer leichten Verzögerung bei der Aufnahme. So ist der Zeitpunkt vom Drücken des Auslösers und der Moment, in dem die Aufnahme erfolgt leicht versetzt. Es braucht einen Moment, bis man sich daran gewöhnt hat.

Es gibt nur eins was besser ist als eine schnelle Linse, eine noch schnellere Linse!

Eine Woche lang teste ich die Kamera mit dem Summicron-M 35/2.0. Ein tolles Objektiv. Klein, handlich, unscheinbar, scharf. Ich merke aber auch, dass mir manchmal die zwei Blenden „nach unten“ fehlen und ich gerne etwas „mehr Licht auf dem Sensor“ hätte. Daher leihe ich mir für ein paar Tage noch ein Summilux-M 35/1.4 ASPH aus.

Dann passiert wieder einer dieser Momente. So wie schon das rostige Seil aus Teil 1 dieser Artikelserie, entsteht ein ganz banaleres Bild, das mich aber vollkommen einnimmt.

Einfacher ist manchmal besser

Wahrscheinlich ist es genau das, was mich so anmacht. So eine einfache Situation. So ein einfaches Bild. So exzellent abgebildet. Es zieht mich förmlich in das Foto hinein. Es hat so viele verschiedene Ebenen und eine greifbare Plastizität. Obwohl das Bild so vollgepackt ist mit Kleinigkeiten, wirkt es auf mich nicht unruhig.

Die Leica M11 hat keinen Autofokus. Sie hat keinen elektronischen Sucher. Sie ist nochmal weniger Technik als meine Q2 und trotzdem gibt sie mir nochmal so viel mehr.

Ein Messsucher führt noch lange nicht zu einem besseren Bild. Jedoch verändert es die Art und Weise, wie der Mensch hinter dem Sucher fotografiert.

Entschleunigung ≠ Langsamkeit

Viele sprechen immer von „Entschleunigung“, wenn man mit einer Leica M-Kamera fotografiert. Auch wenn ich diesen Begriff gerne vermeiden würde, weil viele ihn mit „Langsamkeit“ gleichsetzen, so trifft er dennoch am besten auf das zu, was bei der Fotografie mit einer Leica M mit der Person hinter dem Sucher geschieht.

Ich muss bewusst „die zwei Fenster“ übereinander legen um meinen Schärfepunkt zu setzen und kann erst dann meinen endgültigen Bildausschnitt wählen. Das ähnelt zwar dem Fotografieren mit dem Center Spot an einer AF-Kamera, bei dem man erst auf das Objekt fokussiert und dann den Ausschnitt verändert,  doch der Messsucher entschleunigt diesen Prozess und sorgt dadurch für eine noch bewusstere Wahrnehmung des Bildausschnitts.

Es ist wie tief einatmen

Jemand sagte mal zu mir „Wenn du mal nicht weiter weißt, oder es hektisch wird, dann atme tief ein und die Welt dreht sich für einen Moment langsamer“.

Die eineinhalb Wochen mit der Leica M11 haben sich angefühlt wie stetes tiefes Durchatmen. Sie hat mich aus dem Chaos das in meinem Kopf herrschte herausgeholt. Ich habe angefangen die einzelnen Moment wieder bewusster wahrzunehmen. So als würde ich durch einen Messsucher auf sie blicken.

Die schlaflosen Nächte hatten ein Ende. Ich konnte endlich wieder mehrere Stunden am Stück schlafen. So wurde dieser Kamera mehr als nur zu einem Objekt der Begierde.

Sie wurde zu einer Herzensangelegenheit.

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Micha
Leica M11 - Ich bin mir nicht sicher, ob ich sowas brauche

Nicht jede Liebesgeschichte beginnt mit einem filmreifen Start und manche hat auch kein Happy End. Als Kind der Neuzeit konnte ich mir (selbst mit meinen beinahe 40 Jahren) nicht vorstellen eine Kamera ohne Autofokus zu verwenden.  Nachdem mich meine Leica Q2 total abgeholt hat, musste ich mir aber trotzdem so eine Leica M Kamera mal ansehen.

MESSSUCHER - KEIN EVF, KEIN AUTOFOKUS, OBJEKTIVE MIT OHNE ELEKTRONIK

Auf den ersten Blick spricht so viel dagegen, eine M-Kamera zu verwenden. Spiegelreflexkameras wurden schon lange durch spiegellose Systeme abgelöst und elektronische Sucher (EVF – Electronic Viewfinder) sind mittlerweile so hochauflösend und scharf, dass kaum etwas dafür spricht, auf sie zu verzichten. Dann noch eine Kamera ohne Autofokus – wie absurd! Warum macht man das?

Da ich aber schon immer jemand bin, der gerne über den Tellerrand blickt und noch dazu jemand, der mit einer gehörigen Portion Neugier ausgestattet ist, habe ich im Frühjahr 2022 beim Leica Store Nürnberg nachgefragt, ob ich die M11 mal testen darf. Die Erfahrungen mit der Q2 gepaart mit dem Wissen zum neuen Sensor in der M11 ließen gar nichts anderes zu!

Zugegeben, dieser „Vorgang“ verdient seine ganz eigene Geschichte, jedoch fasse ich kurz zusammen was dann passierte.

Tatsächlich war es nämlich so, dass ich sehr zurückhaltend auf Instagram beim Leica Store Nürnberg angefragt habe, ob es denn nicht eventuell, vielleicht, irgendwann mal möglich wäre eine Leica M11 zu testen. Eventuell, vielleicht, irgendwann, irgendwie auch ein paar Tage.

Ich war es nun mal gewohnt, dass man eine Kamera, wenn überhaupt im Laden testen darf.

Sofern es einen Vorführer gibt und dann auch nur angebunden an einer Schnur, die wenn sie locker wird sofort einen schrillenden Alarm auslöst, welche einem den Schweiß auf die Stirn treibt und eine sofortige Schockstarre auslöst.

Ein paar Tage später stehe ich dann aber schon im Leica Store. Zum ersten Mal treffe ich auf Sebastian, den Store Manager und einen Sekundenbruchteil später halte ich eine silberne Leica M11 in der Hand mit einem ebenfalls silbernem Summilux-M 50mm/1.4.

Erstaunlich schwer!

Im Vergleich zur Q2 ist die M11 trotz ähnlicher Abmaße erstaunlich schwer. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht warum. Erst ein halbes Jahr später, als ich mich intensiver mit dem M-System und seinen Objektiven befasse, erfahre ich, dass die silberne M11 eine Messing-Platte auf der Oberseite hat. Ebenso ist das silberne Summilux zum Teil aus Messing gefertigt, was in Kombination ein deutlich spürbares Mehrgewicht ausmacht.

"NIMM SIE EINFACH MAL ÜBERS WOCHENENDE MIT UND PROBIER AUS"

Ohne auch nur eine Unterschrift geleistet zu haben verlasse ich mit der Kamera samt Objektiv den Leica Store. Das fühlt sich ungewohnt, fast schon falsch an. Die ersten hundert Meter warte ich darauf, dass mir doch noch jemand hinterherruft, dass ich was vergessen habe, oder etwas unterschreiben muss. Nein, keine Schreie, ich werde nicht verfolgt, alles OK. Kein Zettel auf dem geschrieben stand, dass ich von einer mit Baseballschlägern und Macheten bewaffneten Schlägertruppe besucht werden, sollte ich „das Zeug“ nicht zurückbringen.

Da liegt die M11 nun. Auf dem Beifahrersitz neben meiner Q2. Ich kann es mir nicht verkneifen auf dem Heimweg einen langen Umweg zu fahren und die blaue Stunde für die ersten Testbilder mit der Leica M11 zu nutzen.

Ich lasse es ruhig angehen, halte in einem zu dieser Uhrzeit menschenleeren Industriegebiet und mache dort die ersten Aufnahmen.

Es ist ungewohnt

Der eingefleischte Leica M-Fotograf wird sich jetzt denken „ja klar, du hast wahrscheinlich nur Ausschuss produziert, weil du mit dem Messsucher nicht fotografieren konntest“.

Genau so ist es... nicht!

Das „echte Bild“ im Sucher zu sehen, ist schon länger her. Zuletzt vor einigen Jahren, als ich noch mit meinem Nikon Spiegelreflexkameras fotografiert habe. Seither hatte ich immer einen elektronischen Sucher, der mir in Echtzeit angezeigt hat, wie das Bild aussehen wird und welche Auswirkung meine Einstellungen auf das Bild haben.

Jetzt muss ich mich wieder auf Erfahrungswerte verlassen. Vor allem bei der ISO-Empfindlichkeit fällt mir das erstaunlich schwer. Dabei war das in DSLR Zeiten Gang und gäbe.

Zudem empfinde ich es zu diesem Zeitpunkt als störend, dass ein Teil des Suchers durch das Objektiv verdeckt wird. Ich habe das Gefühl mir „fehlt etwas“, dass ich zum Anfertigen des Bildes sehen muss.

Die Bilder, welche an diesem Abend entstehen haben allerdings etwas Besonderes an sich.

Erst Jahr später kann ich auch in Worte fassen, was das ist. Damals sahen sie einfach nur toll aus. Im Vergleich mit den schon schönen Bildern der Q2 nochmal einen Hauch „magischer“. Dazu gleich mehr.

Als ich nach Hause komme fragt mich meine Frau schmunzelnd „na, wie ist die M11“ und ich sage eher nüchtern „spannend“.

"Spannend"

Nicht zu verwechseln mit dem „Interessant“ eines früheren Fernsehkochs, der damit abwertend seine  Enttäuschung zum Ausdruck gebracht hat.

Es ist eher ein Stück weit Unsicherheit, dass sich an diesem Abend in mir breit macht.
Auf der einen Seite fühlt sich diese Kamera haptisch gut an, wenngleich ich sie als etwas zu schwer empfinde. Die Bilder? Toll! Aber reicht das im Vergleich zu meiner Leica Q2, um den entscheidenden Unterschied zu machen?

An nächsten Mittag

Ich habe mir etwas zu viel Zeit an diesem Vormittag gelassen und komme erst zur Mittagszeit los. Es ist ein wolkenloser, sonniger Frühlingstag und ich bin gerade auf dem Weg zum Zeppelinfeld in Nürnberg. Das erste Bild des Tages: Ein rostiges Seil.

Warum in aller Welt gefällt mir dieses einfache Bild so sehr?

Eigentlich wollte ich doch nur mein Können auf die Probe stellen und mit dem kleinstmöglichen Abstand bei Blende 1.4 scharf stellen. Doch so banal das Motiv ist, so sehr führt es mir die Stärke der M11 vor Augen.

Zwar unterscheidet sich die Farbwiedergabe kaum von der Q2, jedoch gibt der hohe Grad an Mikrokontrasten den Bildern aus der M11 noch einmal mehr Dreidimensionalität. Es ist, als könnte ich mit meinen Fingern über das Foto streichen und die Struktur des Seils fühlen. Als könnte ich mit meinem Fingernagel den Rost abkratzen. Hinzu kommt, dass Schattenverläufe detaillierter sind. Das habe ich jedoch zu einem späteren Zeitpunkt festgestellt, als ich die Q und die M Seite an Seite getestet habe. Die Schatten laufen bei der M11 weicher und länger aus, was den Bildern einen noch natürlicheren Look gibt. (Leica Look? 😉 )

Ich konzentriere mich an diesem Tag nur auf das Fotografieren. Kein Pixel Peeping. Die Bilder werden erst zu Hause angesehen. So mache ich den Großteil der Fotos an diesem Tag mit der M11. Mal mit dem Messsucher, mal mit dem Liveview. Aber auch die Q2 ist dabei und macht das eine oder andere „Vergleichsbild“.

Kleine Anstrengungen

Es gibt auch Stolperstellen. Viele Texturen sind anstrengend. Oberflächen mit vielen Details machen es mir schwer mit dem Messsucher den Schärfepunkt zu platzieren. Ohne Referenz, zum Beispiel eine Linie, oder Kante, bzw. ein eindeutiges Objekt in der Nähe laufen mir förmlich die Augen über. Die Momente sind zwar selten, aber sie sind vorhanden.

Abgerechnet wird zum Schluss

Der Tag fühlt sich dennoch gut an. Zwar wurde die Leica M11 samt Objektiv auch an diesem Tag nicht leichter, aber das Fotografieren mit ihr fühlte sich gut an.

Am Abend holt mich jedoch die Ernüchterung ein, als ich feststelle, dass die Bilder an Kontrastkanten Farbsäume haben. Hinzu kommt, dass das harte Licht der hochstehenden Sonne bei Offenblende dafür gesorgt hat, dass die Bilder allesamt etwas flau wirken.

Das kannte ich von meinem bisherigen Equipment nicht. Klar, Mittagszeit, hochstehende Sonne, hartes Licht, das ist eine Herausforderung, aber auch die Q2 hatte damit keine Probleme.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich sowas brauche

Nach dem Wochenende bringe ich das Equipment zurück in den Leica Store. Noch während ich den Satz „Ich bin mir nicht sicher, ob ich sowas brauche“ ausspreche, bemerke ich, dass das furchtbar undankbar klingt. Mist! Ich schildere Sebastian die Erlebnisse und er erklärt mir, dass er dafür volles Verständnis hat, es jedoch bei diesem Objektiv und diesen Lichtbedingungen durchaus vorkommen kann.

So wenig, wie ihm zu diesem Zeitpunkt bewusst war, dass ich keine Ahnung von Leica Objektiven hatte, so wenig war mir bewusst, dass dieses Objektiv fast 2 Jahrzehnte alt ist. Zum Produktionszeitpunkt gab es schlichtweg keine so hochauflösenden Sensoren, wie den der M11 und dadurch fielen solche Probleme auch nicht so sehr ins Gewicht. Das ist auch der Grund, warum die Q2 hier besser performed hat. Kamera und Objektiv sind brandaktuell und aufeinander abgestimmt. Zwischen Kamera und Objektiv liegen keine 20 Jahre Produktionszeitraum.

Es bleibt zwar dennoch fürs Erste der Eindruck einer zu schweren Kamera, die nicht in jeder Situation zielsicher abgeliefert hat, aber auch das Bewusstsein, dass das bestimmt nicht alles gewesen ist.

Zu diesem Zeitpunkt hat diese Liebesgeschichte zwar kein Happy End, aber sie verpflichtet zu einer Fortsetzung.

Bis bald in Teil 2!

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Micha
Robin Dißelkamp - Das Etwas Andere Portrait - Der etwas andere Workshop

Wer meine Taten schon ein paar Tage länger verfolgt weiß, dass ich gezwungener Maßen schon lange Menschen fotografiere. Wenn jetzt aber sage, dass ich ein ganz furchtbarer Menschenfotograf bin, dann mag das erstmal verwundern. Tatsächlich hatte ich in meiner Zeit als Sportfotograf ständig Menschen vor der Linse, doch der Unterschied zur „Menschenfotografie“, wie ich Portrait-Fotografie gerne nenne, könnte größer nicht sein.
Beim Sport passieren die Momente. Zwar versucht man die Umgebung mit einzubeziehen, den Sonnenverlauf, das Licht, die Spielrichtung und dergleichen, aber am Ende hat man wenig Einfluss auf das Spielgeschehen. Genauso wenig wie man Einfluss auf die Handlungen der Spielerinnen und Spieler auf dem Feld hat.

Portrait-Fotografie, aber anders

Ich habe von Portrait-Fotografie keine Ahnung. Somit werde ich mich hüten, hier auch nur den Anschein erwecken zu wollen etwas dazu erklären zu können. Was ich aber sagen kann ist, dass ich nicht gut darin bin Menschen vor der Kamera Anweisungen zu geben.
Das Warum? ist mir mittlerweile bekannt. Der Schlüsselmoment für die Antwort auf diese Frage war der Workshop „Das etwas andere Portrait“ mit Robin Dißelkamp.
Zu diesem kam ich durch eine Einladung von Leica Store Manager Sebastian, der meinte ich könne den Workshop doch mal begleiten, in Vorbereitung auf meinen ersten Workshop für den Leica Store und nebenbei ein paar Fotos dazu machen.

Was kann das nur werden?

Es ist Freitagnachmittag. Robin Dißelkamp betritt den Leica Store Nürnberg. Als er herein kommt ist er da. Also ich meine, er ist wirklich DA! Präsent, nicht nur anwesend. Und dass, obwohl er ziemlich zerknittert aussah, weil er, wie er selbst zugibt fast verschlafen hätte. Heute kann ich sagen, dass wir Ihn persönlich aus dem Bett hätten zerren können, wäre das wirklich passiert. Es wäre total in Ordnung für ihn.

Während er sich den Weg zur Kaffeemaschine bahnt, umarmt Robin jedes ihn bekannte Gesicht -herzlich-. Seine Herkunft, der Ruhrpott, ist dabei unüberhörbar. Er ist unüberhörbar. Ich stehe nur schmunzelnd daneben und stelle mir die Frage „Was kann das nur werden?“

In einer kurzen Einführung bereitet er die Teilnehmern, auf den kommenden Workshop Tag vor. An einer Hand voll Bildern erklärt er auf seine ganz eigene Art -wir erinnern uns er ist aus dem Pott-, wie so ein „etwas anderes Portrait“ aussehen kann. Bereits jetzt wird klar: Hier geht es nicht um weich geblitzte Studiofotos, oder trashige Aktfotografie. Das wird eine ganz andere Nummer. Der Typ ist eine ganz andere Nummer!

Haxen? Schäufele!

Der Abend klingt bei einem gemeinsamen Abendessen aus. Zwar kennt Herr Dißelkamp den Unterschied zwischen Haxen und Schäufele nicht, aber das bleibt auch die einzige Niederlage an diesen Abend.
Lustige Gespräche wechseln sich mit wertvollen Diskussionen, die weit über das Thema Fotografie hinausgehen, ab.

Workshop-Tag. Let's Go!

Samstag Morgen. Diesmal sehe ich deutlich zerknitterter aus als Robin, der schon voll auf Drehzahl ist. Seine Drohung vom Vortag, dass ich den Workshop sicher nicht nur dokumentiere werde, sondern auch daran teilnehme, habe ich schon vergessen… verdrängt?

Er sieht so viel mehr als ich. Als wir alle!

Eine Stunde noch bis Model Jana ankommt. Wir nutzen die Zeit, um die Sinne zu schärfen. Keep it simplewürde es wohl am treffendsten ausdrücken. Anstatt lange auf Location-Scouting zu gehen, laufen wir die Leica Galerie ab und sprechen darüber, was wir in den überschaubaren Räumlichkeiten nutzen können, um ein interessantes Bild zu generieren. Die Ausrede, man hätte keine passende Location für ein Shooting ab diesem Zeitpunkt dahin.

Gemeinsam sind wir ein Fotograf

So könnte man den Prozess beschreiben, der gerade passiert. Jeder von den Teilnehmern sieht etwas, dass man nutzen können. Einer aber sieht das alles und dazu noch viel mehr. Zu allem, was uns bereits in den Sinn gekommen ist, legt Robin noch zahlreiche Möglichkeiten drauf.

Hey, komm ma her, ja du, Micha! Komm Rüber!

Obwohl ich hinter allen anderen Teilnehmern, in einer schattigen Ecke des Flures stehe macht Robin seine Drohung wahr und ich werde vom Begleiter im Hintergrund zum Teilnehmer. „Hey, komm ma her, ja du, Micha! Komm rüber!“

Schwups. Mein Panikmodus ist AN! Aber davon galoppieren ist nicht. Mittlerweile bin ich mir sicher, Robin würde mir hinterherlaufen und mich mit einem Hechtsprung in John Wick Manier einfangen.

Ich beuge mich der Aufforderung, während er sich ganz gemütlich in einen Lichtstreifen setzt, der durch das Fenster hereinbricht. Sonne! Mein alter Freund! Ich hätte nie gedacht, dass du mir so in den Rücken fällst!

„Jetzt mach ma n Foto!“ – sagt Robin zu mir. Ich drücke das erste Mal auf den Auslöser

„Ja ne, was soll ich machen!“Ich kontere mit einem „Ja, aber du musst mir doch sagen was du uns zeigen willst“

„Nene, du musst mir sagen, was ich machen soll, mach jetzt!“Mit einem Kloß im Hals stammele ich „Schau mal ein bisschen nach da,… also links… und ja Kopf noch’n bisschen nach rechts“ Ich drücke zum zweiten Mal auf den Auslöser.

Absolut unerwartet entsteht das erste Portrait des Tages. Von dem Typen aus dem Hintergrund, der keine Portraits kann.

Natürlich kann ich mir es nicht verkneifen, jetzt sofort über das Display meiner Leica das entstandene Bild anzusehen. Robin steht indes schon hinter mir (wie zum Teufel hat er das so schnell geschafft?), schaut kurz aufs Display und haut nur ein „geiles Bild! Siehst, geht doch, …“ raus.

Ich gehe jetzt aber erst einmal wieder zurück in die letzte Reihe und lasse den Schweiß trocknen, der sich da über dem Bund meiner Unterhose gesammelt hat.
Nichtsdestotrotz bin ich schon ein bisschen stolz auf das Bild. Wohlwissend, dass es unter Anleitung entstanden ist und er genau wusste, wohin er mich bringen wollte.

Eigene Dynamik

Kurze Zeit später trifft Jana, unser heutiges Model ein. Es dauert nicht lange und wir arbeiten uns nach und nach durch die obere Etage des Leica Stores Nürnberg. Jeder Raum wird genutzt. Jeder Raum bietet seine ganz eigenen Möglichkeiten. Jeder Teilnehmer kommt dran und darf die Möglichkeiten nutzen. Robin beobachtet die Situation, gibt hilfreiche Tipps und bringt spontane Ideen ein. Er gibt damit dem Workshop eine Dynamik die völlig frei von Stress ist, jedoch in uns allen einen gewissen Tatendrang weckt.

Mir wird bewusst, dass der Kerl einen ganz speziellen Nagel im Kopf hat. Ein Nagel, der heiß eingeschlagen wurde und nie aufgehört hat zu glühen.

Der Moment, als Robin das Fenster neben mir aufmacht, mich an der Schulter zum Fenster rausschiebt und sagt „so Jana, du guckst jetzt mal da vorne aus dem Fenster und Micha, Fotos! Jetzt!“ verdeutlicht mir das nur einmal mehr.

Auch wenn meine Ansage „ok, aber nicht weiter schieben, sonst war es mein letztes Foto“ ernst gemeint war, fangen wir allen an zu lachen und es entsteht ein ganz bezauberndes Foto von Jana.

Unvorbereitet. Kein künstliches Licht. Keine Requisiten. Kein Bühnenbild. Nur ein Model, ein bezauberndes Lächeln und eine spontane Idee.

Genauso geht es draußen weiter. Jedoch ohne mich. Das bleibt nicht ohne Folgen. Robin bemerkt sofort, dass einer seiner Teilnehmer fehlt, kommt zurück in den Store, sieht wie ich mich gerade an meinem Kaffee festhalte und mich mit einer Leica Fotografin verquatsche. Ein kurzer derber Spruch und schon steht der Micha mit draußen auf der Straße. Gefolgt von einer herzlichen Umarmung von Robin.. Ich werde jetzt nicht wiedergeben, was er gesagt hat. Nur so viel: Der Typ einen einzigartigen Nagel im Kopf. Geiler Typ!

Motive! Überall Motive!

Keine fünf Meter von der Ladentür entfernt wartet schon die nächste Gelegenheit. Ein schnöder Baustellenvorhang. Ich bin in den letzten Monaten dutzende Male unter diesem Baustellenvorhang durchgelaufen. Jetzt steht Model Jana dahinter. Vor ihr ein Dutzend Fotografen, welche durch die zarte Ruhrpott-Stimme eines Robin Dißelkamp angeleitet werden.

Das folgende Bild ist mein Favorit dieses Tages. Es ist auch das erste Foto, welches ich an diesem Tag bewusst angefertigt habe.
Die Serie enthält zwar noch mehr Bilder, jedoch war ich mit den ersten nicht zufrieden. Der Hintergrund zu gleichmäßig. So als hätte man die Aufnahme im Studio gemacht. Hinzu kam, dass das Netz gar nicht sichtbar war, sondern das Bild lediglich weichgezeichnet hat.

Pixel Peeper

Auch wenn Robin an seiner Kamera kein Display hat und betont, dass er es gar nicht möchte, muss ich zugeben, dass es mir an diesem Tag weiterhilft. Für gewöhnlich betreibe ich kaum Pixel Peeping. An diesem Tag hilft es mir jedoch sofort die von mir getroffenen Änderungen sofort im Bild zu sehen und gedanklich zu verknüpfen.

Ich bewege mich also circa 160 Grad um Jana herum. Es entsteht dieses Bild. Mein Favorit:

Gerade weil der Hintergrund nicht gleichmäßig ist, sondern helle Flecken hat, kommt das Baustellennetz deutlicher hervor. Aufgrund des anderen Lichteinfalls gibt dieses Netz auch dem Gesicht eine Struktur, die der Betrachter erst einmal zuordnen können muss. Trotz all dem findet der Blick immer wieder auf Jana zurück.

Früher wäre ich vermutlich mit den ersten Aufnahmen in der Serie zufrieden gewesen. Angestachelt von Robins Ideen und Verrücktheit „zum anderen Portrait“ zu gelangen entstand jedoch etwas ganz anderes, in meinen Augen viel Spannenderes.

Kurzgeschichte Mittagessen

Vom Leica Store, zum Henkersteg, zum Kettensteg, zum Mittagessen. Wir machen so oft es geht halt und so oft es geht Fotos.
Beim Mittagessen hat keiner eine Kamera in der Hand. Kaugeräusche dominieren bis zum Punkt, als Jana lehrreiche Worte sprach: „Das heißt Schäufele, nicht Schäufelchen, Robin“ 

Pixel Peeper

Die letzte Stationen ist eine kleine Seitengasse hinter dem Leica Store. Halb Nürnberg hat an diesem Samstag die Restmülltonne herausgestellt. Robin findet sofort eine passende Stelle für den krönenden Workshop-Abschluss. Wohlgemerkt ohne auch nur eine Mülltonne wegschieben zu müssen!

„Jetzt lassen wir Jana laufen“ sagt er. „Das kann ich!“ denke ich mir. Bewegte Bilder! Egal ob eingefroren, oder dynamisch. Da fühle ich mich wohl. Mit dem gewonnenen Wissen und dem Mut Jana Anweisungen zu zusprechen, bewegen wir uns in der Seitengasse auf und ab.

Jana - Nur Jana.

Lenken wir den Fokus nochmal eben auf das Model. Jana hat an diesem Tag maßgeblich dazu beigetragen, dass ich mich in meiner Rolle als Fotograf wohlgefühlt habe. Durch Ihre Erfahrung hat Sie mir viele Motive nahezu geschenkt. Besonders weil ich sie nicht ständig „anweisen“ musste. Wie bereits eingangs erwähnt, fällt mir gerade das schwer.
Egal welchen Halbsatz man Jana zugeworfen hat, sie hat ihn zielsicher in eine Pose umgesetzt. So, dass daraus tolle Bild entstehen konnte.

"Brother from a different mother"

Diese Worte stammen nicht aus meiner Feder, aber es beschreibt das, was ab von tollen Bildern von diesem Tag noch geblieben ist.
Ich kannte Robin bis zu diesem Workshop gar nicht. Weder persönlich noch über Social Media. Aber verdammt nochmal, wäre das ein Verlust, wenn Ihm nicht begegnet wäre.
Genau Ihn hat es gebraucht, damit ich mich der Portrait-Fotografie überhaupt nähern konnte.

Robins Art zu fotografieren hat mir gezeigt, dass es nicht immer eine super tolle Location, oder fancy Lichtaufbauten braucht, um Portraits zu machen. Es benötigt nur ein paar Ideen und den richtigen Blick für die Location und man entdeckt ganz viele Möglichkeiten tolle Bilder zu machen.

Ab davon… Dieser Kerl ist total bekloppt. Dieser Kerl ist total authentisch. Er trägt das Herz auf der Zunge. Noch dazu hat er den gleichen kindlichen (manchmal auch kindischen) Humor wie ich und ist trotzdem im richtigen Moment gnadenlos professionell

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